Rundreise in den Rheingau, nach Rheinhessen und in die Hauptstadt Berlin

Rheingau/Rheinhessen/Berlin

Corona-Zeiten! Mir und einem großen Anteil der reiseaffinen Bevölkerung geht es so, wir vermissen unsere Fernreisen. Fremde Kulturen, neue kulinarische Erlebnisse, Leistungen erleben im Dienstleistungs-Sektor, da geht einem schon was ab!

So wird es mal wieder das geliebte Rheinhessen und der Rheingau – erster Anlaufpunkt ist Ingelheim, die Rotweinstadt. Vom Mainzer Berg genießt man eine traumhafte Aussicht ins Rheintal, von Bingen bis Wiesbaden. Gute Weingüter gibt es zuhauf. So zum Beispiel die Familie Dautermann! Intensive Spätburgunder die  in Teilen durch den Klimawandel an Intensität und Aromen gewinnen. Dazu noch im Holzfass ausgebaut mit einer schönen Tanninstruktur, heben und geben Wertigkeit. So verschafft man sich in der Burgunder Liga Respekt. Eine ebenfalls schöne Wanderung ist die um den Bismarckturm über den Westerberg. An Pferdekoppeln vorbei zum ehemaligen VDP Weingut Schloss Westerhaus. Der Blick in das Selztal mit seinen Weinbergen bis hinüber zur Burgkirche mit der schön restaurierten Kaiserpfalz sind lohnenswert. Schon Karl der Große wusste die hiesigen Traubensäfte zu schätzen. Direkt dort ist das Weingut Hamm platziert und in seinem Angebot findet sich ein junger Merlot. Ein wenig kratzbürstig und pelzig auf der Zunge, zeigt auch er sein Entwicklungspotential. Noch ein paar Jahre und er wird ein ausgewogenes, samtiges und fruchtiges Geschmacksbild auf dem Gaumen zeigen. Der Traubensaft für eine Schorle ist sehr gefragt und so landen einige Flaschen im Kofferraum. Kulinarisch gut aufgehoben ist man seit 1 Jahr im Ingelheimer Winzerkeller. Mit viel Geld der öffentlichen Hand aus dem Dornrösschenschlaf wachgeküsst und mit dem schönen Blick in den Rheingau, hält die  gehobene Gastronomie Einzug in die Rotweinstadt. Lässig bei einem Bier sitzt man im Garten der Brauerei Goldener Engel in Ingelheim-West. Das vor Ort gebraute Lager kommt schön süffig auf den Tisch, allerdings auch verhältnismäßig sättigend.

Ab in den Rheingau zum Schweizer! Ja richtig, dort haben sich Eva und Urban Kaufmann niedergelassen. Seit Hans Lang unter seinem Namen das Weingut vor knapp 10 Jahren verkauft hat und der Käse-Experte Urban Kaufmann die Leitung übernahm, hat sich einiges getan. Die Verkaufsräume sind modernisiert worden, aber ohne zu viel Schnörkel. Er konzentriert und fokussiert sich voll und ganz auf die Qualität seiner Rebensäfte. Das man im Rheingau nur Riesling auf Weltklasse Niveau herstellt, widerlegt Kaufmann mit seinen Spätburgundern oder dem Weißwein Uno. Es ist ein Cuvée aus Burgunder und Chardonnay im Holzfass ausgebaut, der sich mit tropischen Früchten in der Nase und auf der Zunge Eindruck verschafft. Dazu noch alles Demeter, dem höchst möglichen Biostandard. Abendessen gibt es am Rhein im Weinprobierstand, wo zufällig Kaufmann die Weine ausschenkt. Mit einigen Snacks wie Käse und Bio-Landjägern, sowie dem erwähnten guten Wein im Glas, ist der Blick auf Vater Rhein noch viel erholsamer. Ein weiterer Stopp ist das Weingut Spreizter, welches unter den Top 10 in Deutschland zu finden ist – „if we talk Riesling“. Dabei fällt auf das die Tropfen welche aus Oestrich stammen, fruchtiger und in der Säure reduzierter erscheinen. Das liegt an dem dortigen kiesigen Löss- und den tiefgründigen Lehmböden, die die Charakteristik maßgeblich mitbestimmen. Der Charta Riesling 2017 ist ein Wein wie man ihn nur hier trinken kann – Weltklasse. Übernachtet wird im Kronenschlößchen, ein einfaches Doppelzimmer in dieser Institution garantiert guten Schlaf und ist fußläufig.

Blicken wir nochmal auf die andere Rheinseite. Seit dem Sommer steht in Bingen eine neue Immobilie. „Papa Rhein“ ein Hotel und Restaurant der Familie BollAnts. Diese kennt man von BollAnts am Park im Hunsrück, einer 5 Sterne Wellness-Herberge und was sie anpacken wird auch konzeptionell zu Ende gedacht. In der Küche schwingt der hochdekorierte Niels Henkel das Zepter, ein absoluter Star der Branche und Ex-Schüler von Dieter Müller. Abends wird im Bootshaus ein 3 Gang serviert, die Weinkarte mit vielen Rheinhessischen Gewächsen garantiert ein sehr gutes Begleitniveau. Das Tatar vom Saibling ist mit Molke zusammen interessant abgeschmeckt. Das Lamm aus deutscher und irischer Herkunft mit Orichette Nudeln kommt auch schmackhaft und gut gekocht rüber. Das Marshmellow Dessert mit Schokoladeneis bildet einen gelungenen Abschluss. Das Hotel ist sehr „design“ und mit dieser tollen Lage direkt am Rhein ein absoluter hotspot-einfach gelungen!!!

Berlin im Spätsommer. Anreise mit Eurowings und von Tür zu Tür in 3.5 Stunden, viel besser geht es nicht. Der Flughafen in Düsseldorf ist bei Abreise wie eine Geisterstadt. Schnell ist man durch die Sicherheitskontrolle und der Flieger in der Luft. Angekommen geht es mit dem Bus in die Innenstadt, direkt an den Hauptbahnhof. Weiter zu Fuß via Reichstag und E-Scooter zur Markthalle Neun. Bei Kumpel und Keule auf einen leckeren Burger, sonst hat sich in der Halle eher wenig getan seit meinem letzten Besuch. Auch der Eindruck des „geht bergab“ trifft es, was wiederum zu Berlin passt. Weiter mit SHARENOW im Mini-Cabrio auf Kundenbesuch in den Süden, ins Seezeit Hotel. Es eröffnete am 1.Oktober 2020 unweit des neuen BER Flughafens. Der aktuelle Status ist spannend so unmittelbar vor dem Opening. Leider ergibt sich im Anschluss kein direktes Beratungsmandat – „kann ja noch werden“!?  Am Abend lässt es sich gut am See sitzen und ein Glas Wein genießen. Nicht sonderlich erwähnenswert doch die Flasche steht kalt in einer beleuchtenden Musikbox. Die Helligkeit lässt sich neben der Lautstärke gut steuern und der Wein bleibt kalt – Spätsommer 2020.

Am folgenden Tag interessieren mich diverse Trends in der Hauptstadt. So unterhält zum Beispiel The Duc Ngo das Ryotei 893 neben 9 anderen gastronomischen Betrieben. Die Küche ist Fernost geprägt, vornehmlich japanisch und der Restaurant-Auftritt ist von innen und außen betont „hipster“ gehalten. Die Küche ist als großer Mittelblock zentral im Restaurant integriert, die meisten Corona-Auflagen werden eingehalten und ich mache mich an die Bestellung. Der Romanasalat kommt mit super crispy frittierten Garnelen daher. Das Sushi ist allerdings eher von durchschnittlicher Qualität. Warum? Am norwegischen Lachs, er gilt eher als Preiseinstiegsqualität und Massenware, hängt noch das braune Fischfleisch, welches zwischen Filet und Haut sitzt. Das sollte auf dem Niveau schon „pariert“ und somit weggeschnitten sein, da es erheblich das Geschmacksbild trübt und tranig schmeckt. Auch das Krabbenfleisch scheint gepresst und ist eher wässrig, somit ergibt sich ein reduzierter Geschmack, in der normalerweise so hochwertigen Delikatesse. Die roh servierten Rinderfiletscheiben mit asiatischer Vinaigrette sind ein Versuch wert. Was mir hier ganz klar fehlt ist eine klare Produkt Philosophie! Mir fällt das Thema der Stunde überhaupt nicht auf, sprich Lebensmittel nachhaltig ausgewählt und in Szene gesetzt. Fazit: Kann man mal gemacht (besucht) haben, aber nichts was man nicht schon in anderen Städten gegessen hat, beziehungsweise bekommen kann. Dem Gastronom gebührt aber trotzdem mein tiefer Respekt für seinen Mut und seine tolle Karriere.

Ganz anders die Eisdiele „Gimme Gelato“ Eiscreme mit Manufaktur Gedanke, sorgfältiger Produktauswahl, eine high-end Diele. Das weiße Schokoladen-Lavendel Produkt kommt mit und am Stil daher, ist perfekt abgestimmt. Oft kann hier der Lavendel das Geschmacksbild schnell „zerschießen“, doch bei „Gimme-Gelato“ ist das nicht der Fall!

Viele Abschnitte in der Stadt lassen sich per E-Scooter machen, sonst ist Bus und Bahn sehr verlässlich. Gegen 20:40 geht es mit vielen Eindrücken wieder in Richtung Niederrhein. Eurowings liefert einen solides Produkt ohne Schnick-Schnack.

Fazit:

Ein Kundenbesuch sollte immer mit berufsbezogenen Inhalten, wenn es zeitlich möglich ist, gepaart werden. Am kulinarischen Puls der Zeit zu bleiben ist mit fachlicher Kompetenz zusammen und dem Wissen um das aktuelle Marktgeschehen wichtig.

Verpasse keine Neuigkeit
Melde dich jetzt zum CuisineMaster-Newsletter an!

Hotel Review: das Ringrast in der Steiermark

Unweit der Rennstrecke in der Region Steiermark im Murtal befindet sich das Hotel Ringrast. Außerdem geht hier nicht nur zum jährlichen Formel-1-Rennen gehörig die Post ab. Küchenchef David serviert im Restaurant leckere Burger, Gulaschsuppe oder auch gesunde Bowls. Das Ringrast ist eine Herberge, die vor Motorsport-Design strotzt. Das fängt schon mit 2 übergroßen Rennfahrer-Staturen im Eingangsbereich an. Außerdem befindet sich […]

Review: die Rhein Lounge in Düsseldorf (ex-Junker)

Ein Rückzugsort…. ….an Flughäfen ist es ohne Zweifel immer ein willkommener Vorteil. Diesmal ist es die modernisierte ehemalige Junker Lounge in Düsseldorf im Abflugbereich B. Nach der Sicherheitskontrolle geht man über die Treppe in den 2.Stock, wo sich der Eingang findet. Die Zugangskontrolle ist freundlich und schon eröffnet sich dem Gast ein zeitgemäßes und modernes Ambiente. Es werden optisch und […]

Review: Swiss Senator Lounge Terminal A

Für den Schengen Bereich hält der Star Alliance Partner für seine Gold Kunden, neben der Business Lounge, auch eine Senator Lounge bereit. Diese Anlaufstation eignet sich immer, neben der sehr guten First Class und HON Einrichtung, vor dem Abflug, beim Umsteigen oder wenn man vor seinem Termin nach Ankunft noch etwas Zeit verbringen möchte. Standort: Auf Ebene 2, nach der […]

Review: Holiday Inn – the Niu in Kiel ***

Wer in Kiel eine Budget Unterkunft sucht, der wird hier fündig. Für unter 100 Euro lässt es sich durchaus solide nächtigen. Der Empfang ist freundlich, schnell und effizient. Als IHG Platinum Member wird man mit Namen und Status angesprochen-irgendwie nett aber mehr auch nicht. Unweit des Kieler Fjords liegt in der Andreas-Gayk-Straße 10 die Herberge mit 113 Zimmern auf 5 […]

Rezept: BBQ Wassermelonen Salat

Sommer, Sonne, Sonnenschein! Wenn nicht jetzt, wann dann, wenn es um die Wassermelone geht. Ein leckerer Salat mit kräftigen, aber trotzdem dezenten BBQ Geschmack, „lass die Sonne rein“. Viel Spaß beim Nachkochen. Folgende Zutaten braucht ihr dafür: 4 Portion 1 kg geschälte Melone200 g KichererbsenThai-Basilikum nach Geschmack1 EL schwarzer Sesam3 EL geröstete Röstzwiebeln Die Wassermelone in 3×3 große Stück schneiden, […]

Review: die Vienna Lounge im Terminal 1

Was ist bloß aus dieser Lounge geworden? Was sich zuerst als möglicher Kritikansatz anhört, ist eine Lobeshymne auf ganz viel modernes Ambiente und ganz viel Glanz! Zugegeben es sind ein paar Jahre her, dass ich von hier abgeflogen bin, vom Terminal 1 und wie die Zeit genutzt worden ist, zeigt diese herausragende Einrichtung! Zugang hat man mit einem Business Class […]

Kategorien