Rheingau/Ingelheim am Rhein/Speisemeisterei Stuttgart

Lange Wochenenden, Brückentage gilt es zu nutzen. Diesmal ist die Rotweinstadt Ingelheim am Rhein eine Station. Eine Empfehlung vor Ort ist das Weingut Bettenheimer. Tolle Burgunder, weiss als auch rot. Einige davon mit einem touch „Holz“, die dem goldfarbenen Grauburgunder eine cremiges Mundgefühl verleihen.

Ein Bier oder auch ein Wein an der Hafenmole mit Blick in den Rheingau und die untergehende Sonne empfiehlt sich allemal. Im Rheingau gibt es, neben dem allseits bekannten Riesling, auch Weingüter mit „Rose“. Halbtrocken ist der mal so richtig „süffig“ und mit der Fähre ist der Sprung hinüber auch ein kurzer. Das Weingut Ems-Post hat noch einige Flaschen im Keller und so landen 12 davon im Kofferraum.

Weiter geht es ins rund 2 Stunden entfernte Stuttgart, wo ein langjähriger Kollege Gastronomie auf Spitzenniveau betreibt. Barocke Einrichtung, guter Service, tolle Weinkarte, exzellente Menüphilosophie, welche den „Zahn der Zeit“ trifft, machen einen Abend perfekt im Schwabenländle.

Wir starten mit dem ersten Gang:

Makrele, lauwarm serviert, mit Erbse (intensiv), Gurke (leicht) und Soja (touch Salz zur fettigen Makrele) mundet hervorragend! Die Auswahl an Texturen, Geschmacksrichtungen machen diesen Gang zum „Dosenöffner“ für das Menü.

Die darauffolgende Garnele aus Bayern mit Shiso, Apfel, Kerbel und Joghurt als Carpaccio serviert, passt ausgezeichnet in den Sommer.

Nun einmal ein Wort zum Brot. Ok ich bin nicht bei einem Biobäcker meines Vertrauens und auch nicht bei der „Bäko“, es ist aber auch egal, denn was hier serviert wird ist „outstanding“. Ein Anteil Sauerteig, ein Teil hinzugegeben Brotkrume, à la minute im Bäckerofen gebacken mit dem richtigen Mix aus Temperatur und Feuchtigkeit, machen das Brot zu einem Produkt, welches mit extremer Hingabe und Entwicklung den Weg zum Gast gefunden hat. Wenn die Kruste auch noch 30 Minuten später so knackt das der Gastraum dem Nachbartisch zusammenzuckt, ist so ziemlich alles richtig gemacht worden – eine klare 10 von 10 möglichen Punkten!

Als nächster Gang wird Schweinebauch serviert. Ich hatte zugegeben einen sous-vide gegarten Würfel erwartet – Fehlanzeige. Es ist eine Scheibe, recht profan, aber in Verbindung mit echter frischer Kokosspäne, Erdnuss und einer Bohne kurzweilig und sehr schmackhaft.

Die Forelle aus dem Schwarzwald ist ihrer Ursprungsform als klassisches Filet entrissen und kommt „gerollt“ daher. Passend zum Spargel, der Holunderblüte und der Hollandaise aus dem „iSi“ Gourmet Whip, einem Siphon Gerät.

Als 4. Gang wird ein Schwarzfederhuhn aus Challans als „Cesar Salad“ serviert! Was kommt denn da jetzt? Klar Salatblätter hat man auch schon vorher sautiert serviert bekommen, wie auch diesmal. Das Huhn als Nugget, super kross und ein mit feiner Säure abgeschmecktes Dressing, dazu Textur als Granulat und Parmesan Crisp, top!

Was wäre im Mai ein mehrgängiges Menü ohne den „Bock“ – den Maibock.

Heute Abend schießt hier keinen einen, auch dieser Gang ist wohl durchdacht, rosa gegart, kein Blut auf dem Teller, sprich entspanntes Fleisch, sous-vide, mit Brokkolini, Johannisbeeren und Pfifferlingen. Den dazu servierten „dumpling“, eine Dampfnudel finde ich weniger gelungen, da die Gluten darin etwas gestresst (Hitze oder bei der Herstellung) wirken und den „dumpling“ so etwas zäh machen.

Die anschließende „wide churchhill“ auf der Terrasse mit einem Grappa und dem Espresso runden einen hervorragenden kulinarischen Abend rundum ab.

Aus meiner Sicht ist dieses Restaurant einen Umweg wert und am heutigen Abend eher auf dem Sprung zum 2.Stern, als bei einem verharrend – à la bonne heure!

Unterkunft ist das Le Merdien in der City, welches durch den großen Bahnhofsumbau etwas leidet. Auch hier wird, wie schon bei Besuchen in der Vergangenheit, ein sehr gut Job gemacht, insgesamt ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis.

BG

Christian

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