Luganer See und Meran

Wer schon das eine oder andere Mal in Italien nach Hotels mit guten Preis- Leistungsverhältnis suchte, hat so einige Herausforderungen zu meistern.

Altes Ambiente mit modernen Preisen begegnet einem hier recht oft. Umso mehr ist man zufrieden gute Herbergen, bei denen das „Ambiente“ stimmt, zu finden.

Das Kurhotel Cardemario im gleichnamigen Ort ist so eine location. Der Wellnessbereich wurde vor 4 Jahren modernisiert und der Ausblick auf den See ist herausragend. Die Zimmer sind ohne Teppichboden mit Parkett ausgestattet, was ich persönlich immer bevorzuge. In der Kategorie „Seeblick“ bietet sich eine traumhafte Aussicht auf den Seitenarm des Sees.

Wanderungen welche vor der Haustür starten mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und ein Tennisplatz runden das Angebot an aktiver Wellness ab. Die Gastronomie erfüllt das was man von einem 4 Sterne plus Haus erwartet. Die etwas emotionsreduzierte Freundlichkeit der Mitarbeiter ist wohl dem italienischen Purismus geschuldet, auch wenn man sich geographisch in der Schweiz aufhält.

Ein lohnenswerter Ausflug führt nach Gandria, welches einige Kilometer entfernt hinter Lugano liegt. Bei der Fahrt in das alte Fischerdorf mit seinen verwinkelten Gassen fühlt man sich fast wie in Monaco. Der Ausblick auf die Schweizer als auch die Italienische Seite des Sees holt einen wieder zurück in die Gegenwart – virtuelle Gedankenspiele!

Das „Le Bucce di Gandria“ bietet einen Küchenstil, im schlicht eingerichteten Restaurant, welcher durch Saisonalität und globale Inspiration mit regionalen Produkten, sowie dem hausgebackenen Brot besticht. Das Ganze ist durchaus als Experiment zu sehen, was der aus der Toskana stammende Patron hier serviert. Kürbisflan mit Walnüssen, „geleberte“ Salami, mit Kastanie gewürzte Gnocchi und Pfifferlinge, die etwas süsslich daherkommen. Die rohen Heugarnelen und mit Zitrone sowie Krustentiersud abgeschmeckten Spaghetti sind auch so eine Kreation, wenn auch ein wenig Salz fehlt. Der aus Kalabrien stammende Rotwein „iGreco“, aber auch die als Dessert gereichte hausgebackene Limonen-Tarte, spiegeln insgesamt ein handwerklich einwandfreies Produkt wieder.

Eine weitere tolle Ausflugsoption ist der 1867 m hohe Monte Tamaro. Noch um einiges besser ist es, wenn man mehr Zeit mitbringt und auf den Hügelspitzen der Bergkette zum Monte Lema wandert. Die ungefähr 14 Kilometer verschaffen dem Wanderer den Ausblick zur rechten Hand auf den Lago Maggiore und auf der linken zum Luganer See. Vom Berg selbst genießt man aber auch eine herrliche Fernsicht nach Locarno, sowie die umliegende Bergwelt bis zum Matterhorn. Die auf ca.1600 m von Mario Botta erbaute Kirche „Santa Maria degli Angeli“ ist ein Meisterwerk zeitgenössischer Kunst und eine „Zugabe“ für die von hier aus startenden Touren und Erlebnisse.

Alles in allem ist das Tessin eine Region die träumen lässt, weil die im Wind hängenden Palmen ein touch Neuseeland widerspiegeln oder für viele eher der Hauch des Mittelmeers in der Luft hängt.

Was den abwechslungsreichen Teil der Region noch weiter ausbaut, ist dass in nur 1 Stunde zu erreichende Mailand. Mailand war schon in der jüngeren Vergangeheit ein Ziel meiner Wahl, deshalb möchte ich hier nur kurz auf das Foodkonzept „Eataly“ eingehen. Dies ist von den Inhalten her 1:1 so angelegt, wie die locations in München oder Manhattan. In dieser Erlebniswelt lässt es cruisen wenn es um wertige Lebensmittel geht. Auch ein Stop in den vielen Restaurantkonzepten, die mit cremig verlaufenden Eis oder butterzarten Gnocchis aufwarten, ist dem stressgeplagten Besucher nicht vergönnt. Über mehrere Stockwerke geschaffene und konzeptionell toll umgesetzte Erlebniswelt verdient schon allerhöchsten Respekt. Es scheint nie überfüllt oder stressig, obwohl sich hunderte von Menschen im Hause aufhalten und das bei Preisen für getrocknete Pasta die schnell jenseits von 10 Euro liegen können, dem Trüffel sei Dank!

Meran.

Die Fahrt aus dem Süden kommend in die Region ist von Apfelplantagen und Weinreben geprägt. Im Norden ruft der „Brenner“ und anschließend Österreich. Aber zuerst geht es via Bozen nach Meran. Airbnb hält eine nette Auswahl jenseits des Hotelstandards parat. Die Wahl fällt auf die Innenstadt, noch nicht einmal das Navi findet die Straße und somit wird das fon bemüht und die Vermieterin kontaktiert. Für das naheliegende Parkhaus nun ein kleiner Tipp! Wer länger als die übliche Tagesgebühr plant zu Parken, gibt beim Rausfahren einfach „verlorenes Ticket“ ein. Somit kann man schnell bei mehr als 20 Euro einiges an Geld sparen, unabhängig von der tatsächlichen Zeit die das Auto hier stand.

Der Weg hinauf zum Tappeinerweg der unmittelbar hinter der Kirche startet ist steil, aber anschließend sehr enstpannt verlaufend und auf gleichmäßiger Höhe zu vollziehen.

Am angenehmsten verbringt man die Zeit bei der Sonne in der „Saxifraga“ Stuben. Eine Gastronomie welche herzlich, authentisch und kulinarisch wertvoll gestaltet wird. Das mag schon was heißen wenn man in einer so touristischen Region unterwegs ist, wo so einige kulinarischen Fallen auf den Fremden warten. Das Entrecote mit saisonalen Gemüsen schmeckt, die Nudelspezialitäten sind von solider Qualität und das Südtiroler Schüttelbrot darf natürlich nicht fehlen. Die Weine der Region sind über alle Zweifel erhaben und zum Ende hin schmeckt der kubanische Verdauungszigarillo mit dem im Barrique ausgebauten Grappa sehr gut. Die Herbstsonne wärmt und macht den Aufenthalt zu einem Traumtag.

Ein Ausflug zu den Gärten von Schloss Trauttmansdorff ist Pflichtprogramm. Das einstige Feriendomizil von Kaiserin Elisabeth besticht durch perfekt gepflegte Gärten und den Aussichten entlang der Panorama Wege. Zu keinerlei Zeitpunkt kommt das Gefühl auf das hier etwas nicht im Einklang mit dem hohen kaiserlichen Niveau bezüglich der Landschaftspflege passiert ist.

An Tag 3 des Aufenthaltes geht es in die Wiege der Südtiroler Geschichte, nämlich dem Örtchen „Tirol“, dort wo noch förmlich die Wurzeln zu greifen sind. Wichtigstes Wahrzeichen ist das gleichnamige Schloss mit seinem Museum. Viele Wirrungen spiegeln sich wieder bis die Region Ihr heutiges „Autonomiedasein“ leben durfte. Hin- und hergerissen zwischen Italien, Österreich und Deutschland, scheint nun wirklich Ruhe eingekehrt zu sein. Die Aussicht von der Anhöhe des Schlosses in das Tal ist einmalig und in diesem von Sonne verwöhnten Teil der Erde, lässt es sich Kilometerweit über Apfelplantagen und Weinreben blicken, fast bis Bozen und den Dolomiten.

Ebenfalls ein wichtiger Anlaufpunkt ist das Südtiroler Archäologiemuseum, welches Ende der neunziger Jahre mit „Ötzi“ Weltruhm erlangte. Der über 5300 Jahre alte Fund ist in einer speziell temperierten Kammer einsehbar und gibt viel Auskunft über die damalige Zeit. Gleichzeitig lässt es mit viel Demut auf den Luxus der heutigen Zeit blicken.

Fazit: Fahr mal hin!

Euer

Christian

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