Ein Tagesausflug ins Ahrtal

Aus der Region Düsseldorf ist es mit dem Auto nicht wirklich weit in das Ahrtal. In Deutschland ist die Region eigentlich jedem ein Begriff und weltweit seit dem verherrenden Hochwasser im Juli 2021 leider auch. Das Tal ist für Weinkenner für seine zahlreichen und hochdekorierten Tropfen wie Spätburgunder oder sogar Rieslinge, über die Grenzen hinaus bekannt.

4.5 Jahre nach der Flut, den Milliardenschäden, 135 Toten und dem eingebrannten Bild der Verwüstung, ist es fast schon überfällig hierher mal einen Ausflug zu unternehmen. Die Anfahrt erfolgt mit dem Auto bis Remagen, wo unter anderem die Brückenköpfe, der durch die Nazis gesprengten Bahntrasse über den Rhein, noch zu besichtigen sind. Von hier aus nimmt man für ein wenig mehr an Entspannung den Zug, welcher bis Ahrbrück seit Dezember 2025 wieder durchgängig fährt.

An diesem mit viel Nebel verschleierten Dezember Sonntag geht es pünktlich von Gleis 4 Richtung Westen, entlang dieses eigentlich so unscheinbar aussehenden Flusses, welcher nie wirklich tief, geschweige denn Furcht einflößend daherkommt. Es ist durchweg keine Schifffahrt vorhanden und auch nicht möglich, um so wahnsinnger der Gedanke das hier um den 14.Juli 2021 eine Wasserhöhe von bis zu 8 Metern in Teilen erreicht wurde, die eine Wüste der Zerstörung hinterließ. Diese Katastrophe kann man selbst nach über 4 Jahren immer noch in den Ortschaften entlang der Strecke wahrnehmen und hinterlässt viel Respekt vor der Kraft der Natur.

Nach knapp 30 Minuten kommt man in Altenahr an und es geht fussläufig zum Weingut Sermann, einer seit 1936 alt eingesessenen Winzerfamilie. Im angeschlossenen Restaurant Thüres wird ambitionierte Küche mit allerlei Überraschungsmoment geboten, auch wenn an diesem Tag gewisse Abläufe erkennen lassen, dass es nicht die absolute Kernkompetenz darstellt ein Restaurant zu betreiben. Das ist alles andere als despektierlich gemeint, es sind in gewisser Weise Nuancen die erkennen lassen das die Kernkompetenz und 100% Fokus bei der Weinerzeugung liegt. Und diese Tropfen wissen zu den guten Speisen zu überzeugen. Auch wenn der Riesling vielleicht nicht die Idealbedingungen im Ahrtal vorfindet, hat Kellermeister Lukas Sermann mit dem Terrassen Riesling einen harmonischen Saft gekeltert, der von Reben stammt, die teilweise schon über 80 Jahre im Tal ihre Wurzeln schlagen. Der Sauvignon Blanc ist ebenfalls ein Wein der neuen Generation, ist in seiner Fülle nicht ganz so breit angelegt wie etwa die Tropfen aus Südafrika oder Neuseeland, aber schlussendlich am Gaumen klar der Rebe zuzuordnen. Sicherlich hat dies auch mit dem anderen, Ahr typischen Klima zutun. Die Sonne die hier teilweise noch nicht mal bis zur Hälfte der Hänge im Winter scheint, leistet sozusagen „parttime“, wenn es um die natürliche Bestrahlung geht. Da entstehen mit dem Schiefer der Vulkaneifel und den steilen Hanglagen völlig andere Weine und das macht es ja am Ende auch so spannend.

Nun aber mal zum Essen. Einige Positionen der Karte sind nach den Feiertagen nicht mehr verfügbar, was der Vorfreude keinen Abbruch tut. Eine breite Auswahl an Vesper zum Wein, bis zu gestandenen Hauptgerichten, bietet die Speisekarte so einiges was Appetit macht. Die Wahl fällt auf ein Rote Bete Carpaccio mit Ziegenkäse was solide daher kommt, aber in Summe ein wenig langweilig. Warum? Die Scheiben von der roten Bete sind nicht mariniert, der Ziegenfrischkäse als Nocke langweilig neben den vor Dressing „abgesoffenen“ Salatblättern liegend, was zusammengefasst ok ist, aber auch nicht zu mehr an Lob reicht. Beim Blick in die Küche, die Tür ist aus Glas, erkennt man schnell den Anspruch des Hauses. Sous-Vide Technik, Espumaflasche, insgesamt ein sehr zeitgemäßer moderner Auftritt. Der Koch welcher auf der eigenen Homepage abgebildet ist, ist heute nicht da und so brutzelt „der Ersatzmann“, welcher im Pullover angetreten ist und ganz entspannt die Dinge auf die Teller bringt. Auch das 2.Gericht ist lecker, allerdings ähnlich wie beim Salat zur Roten Bete, säuft diesmal das „gebratene Brot“ im Fett ab, was sicherlich gut gedacht ist und in der Kombination mit Speck eine durchaus logische Kombination. Manchmal ist weniger mehr, um sich mal einer Phrase zu bemühen.

Beim Hauptgang ist das BOURGUIGNON vom STEINCHAMPIGNON leider nicht verfübar und so fällt die Wahl auf ein Roastbeef von der Eifeler Färse. Die Wartezeit zwischen Vorspeise und Hauptgang fällt dann mit mehr als 45 Minuten doch ein wenig länger aus, vielleicht auch deshalb weil der Ochse aus dem Sous-Vide Becken kommt und besonders schonend gegart wurde. Trotzdem hat er Struktur, etwas mehr medium-well als medium, aber im positiven Sinne kernig, mit Pommes und einem etwas faden Rahmkohlrabi serviert.

Das 2.Gericht ist eine Lachsforelle Müllerin, mit Selleriepüree und Rieslingschaum. Klassisch gesehen ein Fehler, da Müllerin immer mit Zitronenscheibe, frisch gehackter Petersilie und geschäumter Butter auf den Tisch kommt – sei´s drum! Das Zwischenfazit fällt dann nach einem Espresso schon positiv aus, hier gibt man sich Mühe, ist ein entspannter Gastgeber mit einem guten qualitaten Angebot, Dankeschön!

Den Weg zurück nach Remagen erfolgt erstmal durch ein paar Kilometer des Laufens. Von Altenahr tragen einen die Füße nach Mayschoss, das urkundlich zum ersten mal 1106 erwähnt wurde. Entlang der Strecke werden doch immer wieder Schäden aus der Ahrtalflut sichtbar, was wirklich Eindruck hinterlässt, da ja auch schon 4.5 Jahre vergangen sind. Der idyllische Bahnhof von Mayschoss ist dann auch Einstiegspunkt für die Rückfahrt mit der Deutschen Bahn. Nun da es Wetter seitig vollständig aufgeklart ist, ergeben sich schöne landschaftliche Blicke links und rechts der Ahr.

Fazit:

Hierher kommt man gerne! Die Menschen sind freundlich, es gibt leckeren Traubensaft, landschaftlich ist es auch zum Wandern ein Traum und es wird sicherlich nicht das letzte Mal gewesen sein, dieses pittoreske Tal besucht zu haben.

Keep exploring!

Euer Christian

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