Review: Der Rheingau im Juli

Der Rheingau im Juli…

…..für 2 Tage ist kurz aber voller Eindrücke – meine Empfehlung ist das Programm erheblich zu entschleunigen. Diesem Kredo haben wir uns „verpflichtet“ gefühlt und die 48 Stunden entspannt angegangen!

Vor kurzem habe ich (mal wieder) eine Schlagzeile gelesen die darauf voll einzahlt: „Hören Sie auf zu Funktionieren!“  Funktionieren und immer Erwartungen zu entsprechen kann ermüdend sein, deshalb ist ein wenig Ablenkung im Rheingau eine hervorragende Art und Weise Abstand vom Alltag zu gewinnen. Neben weltweiten Reisen gehört es auch dazu, die Heimat oder die Region zu erkunden in der man lebt.

Die ausgesuchte Herberge ist das Hotel Schwan in Oestrich-Winkel, erbaut 1628 als Fachwerkhaus direkt am Vater Rhein und nur getrennt durch die Landstraße. Die Zimmer zum Innenhof sind größtenteils renoviert, was in einem denkmalgeschützten Gebäude mit seinen knapp 400 Jahren an wechselvoller Geschichte nicht immer selbstverständlich ist.  Das Haus ist ein „Garni“, was nichts anderes heißt als das hier nur ein Frühstück als Mahlzeit angeboten wird. Einen Abendtisch sucht man leider vergeblich da Punkt 18:00 der Restaurationsbereich geschlossen wird. Am Nachmittag aber lädt die Terrasse zu Getränken und verschiedenen Kleinigkeiten ein, wie Flammkuchen und Butterbrezel. Berühmte Gäste statteten „dem Schwan“ auch schon einen Besuch ab, wie der Dalai Lama oder Sean Connery.  Es ist anzunehmen das beide während den Dreharbeiten zum Blockbuster „der Name der Rose“ hier nächtigten, der im nah gelegenen Kloster Eberbach gedreht wurde.

Von Wiesbaden kommend ist am Nachmittag  allerdings der erste Anlaufpunkt die Kellerei von Schloss Vaux. Es gibt einen feinperligen Riesling Sekt, aber auch einen gekelterten alkoholfreien, das Träublein. Für manche etwas zu süß abgeschmeckt und gerade deshalb sollte er wirklich sehr kühl getrunken werden – um die 7 Grad.

Beim anschließenden Besuch im Gut von Post-Ems freut man sich auf einen tollen halbtrockenen und hell gekelterten Spätburgunder. Der im Rose Stil hergestellte Wein schmeckt weich, süffig und ist eher unüblich im Anbaugebiet. Denn 80 % kommen als Riesling auf den Markt der weltbekannt und auch in seiner Qualität von allerhöchster Güte ist. Ein weiterer Winzer den ich schon lange begleite ist Hans-Lang in Hattenheim. Gerade vor kurzem habe ich im Kreise von Freunden einen 2002er Spätburgunder aus einer 3 Liter Flasche degustiert, der samtig weich und rund im Geschmack war. Ohne jegliche Tannine war dies ein durch und durch großes Gewächs. Vor 6 Jahren hat nun die Schweizer Familie Kaufmann das Haus übernommen und präsentiert leichte und fein durch Säure balanchierte Riesling Weine. Auch darf die Tradtion der Spätburgunder Herstellung nicht fehlen, Ziel ist es in der Qualität einer der führenden Rotweingüter in Deutschland zu werden, so Kaufmann. Der ist, so will ich es einmal beschreiben, blumig, grandios und facettenreich auf der Zunge und am Gaumen. Ein differenzierter vielschichtiger Geschmack, der sich so noch nicht in meinen Erinnerungen wiederfindet. Mit 70 Euro pro Flasche hat er seinen Preis und bleibt vorläufig im Keller des Winzers liegen und nicht in meinen Kofferraum. Die Weinkäufe sind nun abgeschlossen und nach einer kurzen Erfrischung im Hotel wird zum  Abendessen der altehrwürdige „Zum Krug“ angefahren. Ich war vor kurzem schon einmal dort und durchaus zufrieden, doch dieses Mal ist in vielen Bereichen noch etwas Luft nach oben. Das relativ hochpreisige Restaurant legt einen Abend hin beim dem die Liebe zum Detail fehlt. Vielleicht ein Grund warum in diesem Bericht keine Bilder wiederzufinden sind, obwohl es geschmacklich und gepaart mit dem charaktervollen Service die etwas schwächere Küchenleistung etwas abfedert. Nur bei Hauptgang Preisen von 26-32 Euro erwarte ich mir eine bessere Küchenleistung wenn es um die Visualisierung und Kreativität geht.

Tag 2 startet nach dem Frühstück mit der Fahrt ins traumhaft gelegene Schloss Johannisberg. Hier oben verkosten wir neben einigen nach meinem Geschmack zu säurelastigen Rieslingen einen toll gemachten Gin. Er ist unter anderem mit Orangenschale destilliert worden und kommt so blumig, fruchtig und kreativ lecker rüber, dass ich meinen (Koch-) Hut vor den „Brennern“ ziehe.

Der Blick vom Schloss über das Rheintal ist Weltklasse! Die Nebenarme des Rheins lassen sich von hier oben gut einsehen und das nahe gelegene Bingen und Rüdesheim mit seiner Drosselgasse, sind nur noch ein Katzensprung entfernt. Unsere Fahrt geht allerdings gen Osten in Richtung Wiesbaden ins altehrwürdige Kloster Eberbach.

Das Mittagessen in der Klosterschänke stärkt alle Sinne, der Rundgang durch die Anlage beeindruckt durch die verschiedenen Baustile, die dieses Objekt über hunderte von Jahren erfahren hat. Auch sehr populär und überregional bekannt ist das alljährlich stattfindende Rheingau-Musikfestival, beim dem Künstler aus aller Welt ihr Können zum Besten geben.

Abschluss der Tour bildet im nahegelegenen Wiesbaden das barocke Biebricher Schloss, erbaut 1700 bis 1750. Mit stetigen Erweiterungen war es die Residenz der Fürsten und späteren Herzöge von Nassau. Es liegt in gleichnamigen Stadtteil am Rhein und die gegenüberliegende Rettbergsaue lädt zum Schwimmen, dem Sonnenbad oder dem Grillen ein. Die Insel welche per Boot oder über die Schiersteiner Brücke erreichbar ist, ist ein klassisches Naherholungsgebiet der Region. Der angebundene Kurpark wird aktiv für Spaziergänge, Joggingrunden und Pferdeturniere jedes Jahr genutzt, ein Kaffee bietet die Möglichkeit zu einer Pause.

So lassen sich gut ein paar Sommertage im herrlichen Rheingau gestalten – gerne wieder einmal!

Da es nun wieder heißt, „nach der Reise ist vor der Reise“, freue ich mich ganz besonders auf Doha und Südafrika mit dem Erlebnis Qatar Airways als Transportmittel.

Keep on travelling!

Mit kulinarischem Gruß

Euer Christian

 

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