
28. August 2025
Es ist erst der dritte Tag, aber diese Stadt und dieses Land begeistert. Qualität, generelle Sauberkeit, Züge die klimatisiert und pünktlich sind, Stolz, Respekt Operational Excellence, wohin das Auge schaut. Da fragt man sich als Deutscher für was man eigentlich die letzten 20 Jahre Steuern gezahlt hat? Ein Freund meinte vor kurzem, „Deutschland ist da neue Italien, hochmütig aber schon länger nicht mehr exzellent“, passt ganz gut die Beschreibung wie ich finde!
Nun soll es aber um den Restaurant & Bar Genuss gehen, in dieser mit fast 3 Millionen Einwohner großen Stadt. In Summe bin ich mir gar nicht sicher, ob ein Leben genug ist um alle Einrichtungen einmal besucht zu haben? Vermutlich nicht und trotzdem gilt es ein paar Lokalitäten sich heraus zu picken. Das geht am besten, wenn man kein örtliches Netzwerk hat, über die Restaurantführer wie den Guide Michelin oder 50 Best Restaurants in the World.
Das Sushiro:
Diese QSR Kette wurde von über 40 Jahren gegründet und hat sich seitdem sicherlich einige Male neu erfunden. Im Stadtteil Dotonbori ist eine der vielzähligen über das Land verteilte Filiale. Die Speisen bestechen durch ihren Geschmack, das gut gekochte Sushi-Reiskorn, welches sehr leicht würzig schmeckt. Man bestellt sich seine Portionen oder auch Specials, die innerhalb kürzester Zeit über ein Tellerband zum Tisch kommen. Man sitzt aber nicht mehr so wie früher um die Bänder herum, a la Bar, jeder hat seine Privatsphäre und man ist wenig bis garnicht auf Mitarbeiter im Ablauf angewiesen. Effektiv, lecker und ein QSR-Sushi-Qualitätstraum!



Bar Shiki:
Wenn man in der San Pellegrino Liste „50 Best Bars“ aufgenommen wurde, weiss man das einiges richtig läuft. Mister Keisuke Nakaichi mixt hier Cocktails nicht einfach nach einer Karte herunter, er geht in das Gespräch mit seinen Gästen, erfragt deren Lieblingsgeschmacksrichtungen, bevor es sich mit viel Mühe und mit Detail an die Arbeit macht. Mein Briefing ist der Wunsch nach Eleganz von Aromen die aber nicht dominieren, viel Frucht mitbringen, etwas Sake integriert und Bitterstoffe widerspiegelt. Dazu noch ein touch easy drinking Mentalität, eine doch recht komplexe Anforderung, vorab er wird dies gekont meistern weil er zuhört! Sein erster Aufschlag, der Cocktail hat keinen Namen, aber Zutaten wie: Japanese Vermouth, basierend auf Sake, einen Süßkartoffel-Spritz, destilliert aus besagter Kartoffel, Tee-Extrakt und Shochu, ein japanischer Branntwein. Zum Schluss parfümiert er diesen mit einem Hauch Lavendel-Extrakt, gießt den Mix in ein elegantes dünnwandiges Wasserglas, mit dem entsprechend großen Eiswürfel darin. Ich würde mit einer reduzierten Expertise dieses Getränk auf Floral, authentisch lokal, elegant, Blütenjahre und auch ein gutes Stück mainstream beschreiben wollen. Die Vermutung liegt nahe das es so noch nie getrunken wurde und trotzdem erinnert es mich ein wenig an die Philosophie von Arnd Heißen, dem bekannten Barchef des Ritz Carlon in Berlin. Er ist auch großer Liebhaber von Cocktails die an berühmte Düfte aus der Modewelt erinnern, allerdings nur in der Nase und später etwas abgeschächt die Zunge und den Gaumen kitzeln.
Number 2 des Abends „and the last one“ an diesem Abend ist im Einklang mit dem morgigen Weiterflug nach Okinawa. Die Inseln im Südchinesischen Meer, welche es noch nie auf meine Weltkarte geschafft haben, sind für eine Überraschung gut. Weißer Rum gepaart mit japanischer Mandarine auf Eis, sind ebenfalls ein gelungenes Getränk, wenn auch vielleicht nicht ganz so überraschend wie die NO 1 davor. In Summe macht Keisuke hier einen herausragenden Job, die Bar ist nicht wirklich leicht zu finden, vor allem wenn man die Sprache nicht spricht. Sobald die Tür sich öffnet im 2.Stock ist es eine so coole Location mit 8 Sitzen und einer Handvoll Tischen, abgedunkelt mit viel Atmosphäre.












Sushidokoro Kaihara:
Ist ein Restaurant, falls man die Eintrittstür überhaupt findet, mit 10 Sitzen an der Bar, hinter der der Chef kocht und serviert. Erstmal wird vorab bezahlt, falls man vor Ort noch konsumieren möchte ist in bar zu bezahlen-Ansage-Rumms! An diesem Abend finden sich nur 3 Gäste wieder und fast jeder Gang ist Sushi basierend. Eröffnet wird mit einer kalten Mais-Uami Suppe, bei der durch die Sprachbarriere die Vermutung von Fish-Sauce recht nahe liegt. Für die kommenden Fischgänge bietet sich keine Weinkarte an, sondern nur ein Welschriesling vom Erlenhof aus Österreich-nagut!? Im Anschluss sind es die doch bekannten Orka-Schoten und Makrete, mit Zwiebeln Confit, zugegeben etwas experimentell aber geschmacklich gut. Der Säurespiegel wird hochgehalten durch den Sud, der Crunch der Zwiebel und der Okra Schote ist ein Genuss, der Fisch ist leicht geräuchert und zusammen mit dem Sesam rundet es das extrovertierte Geschmacksbild ab. Definitiv den Gang gibt es so nicht an jeder Straßenecke-oder doch? Im Anschluss folgen einige Reisballen mit rohem Fisch, im lokalen Sprachgebrauch auch Sushi genannt. Was sich unterscheidet von den gängigen Ketten sind die Stärken des roh geschnittenen Fisches, der ist wesentlich dicker und in Teilen auch nochmal „aufgeschnitten“ an der Oberfläsche. Zu meiner Überraschung gibt es nur Ingwer und keine Soja-Sauce dazu, nagut der Meister wirds schon wissen.
















Fazit:
Alle 3 Beispiele sind für sich wunderbar. Es findet sich viel Passion, einzelne Ausnahme-Könner, gutes Ambiente, viel Qualität und Abwechslung. Japan halt!
Euer Christian














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