
15. September 2025
Bei diesem Langstreckenflug, der von Japan Airlines durchgeführt wird, kommt ein erst ein Jahr altes Produkt zum Einsatz. Die moderne Bestuhlung in der First und Business Class, kombiniert mit der Neuausrichtung auf den Airbus A350-1000, setzt aktuell Maßstäbe und gehört zum Benchmark, wenn es um höchste Qualität über den Wolken geht.
Der Checkin:
Terminal 3 in Tokyo-Haneda ist die mehrheitlich von Japan Airlines genutzte Departure-Hall. Während sich der reguläre Check-in-Bereich noch geschäftig präsentiert, führt der Weg vorbei an den Schaltern in einen deutlich exklusiveren Bereich: den First-Class-Check-in.
Was hier sofort auffällt, ist die bewusste Abkehr vom klassischen Check-in-Konzept. Statt Schalter, Computerterminals und sichtbarer Technik erwartet den First-Class-Gast eine Umgebung, die eher an die Lobby eines hochwertigen Hotels erinnert. Ruhe, dezentes Design und eine angenehm zurückhaltende Atmosphäre bestimmen das Bild.
Ähnlich wie bei Singapore Airlines steht nicht der eigentliche Check-in im Mittelpunkt, sondern das Erlebnis. Als einziger Gast wird man mit typisch japanischer Höflichkeit und Zurückhaltung begrüßt. Die Formalitäten sind entsprechend schnell erledigt. Für First-Class-Passagiere steht eine eigene Sicherheitskontrolle zur Verfügung, sodass auch dieser Teil der Reise innerhalb weniger Minuten abgeschlossen ist.
Ein bemerkenswert entspannter Start in die Reise – und gleichzeitig ein erster Vorgeschmack darauf, welchen Anspruch Japan Airlines an sein aktuelles First-Class-Produkt stellt. Von hier aus geht es ohne Umwege weiter in Richtung Lounge.






Vor dem eigentlichen Flug sind knapp 2 Stunden in der First Class Lounge am Haneda Airport angesagt. Direkt unterhalb dieser Einrichtung befindet sich auch das Boarding Gate, von dem JL 43 nach London Heathrow starten wird. Das Flugzeug ist mit nur 239 Sitzen ausgestattet, weil unter anderem 54 Business Class und nur 6 First Class Suiten verbaut worden sind. Somit bleibt weniger Raum für die Premium und Economy Class, welche 179 Menschen durchaus auch einen angenehmen Komfort bietet. Ein Flieger der bis zu 400 Menschen fasst, aber nur mit maximal 239 Sitzen abhebt, nennt sich in der Branche „heavy premium“, da die vermeintlich teuren Plätze einen überdurchschnittlich großen Anteil ausmachen.
Als First-Class-, Status- oder Business-Class-Passagier gehört man zu den ersten Gästen, die das Flugzeug betreten dürfen. Mein Platz ist 2K, ein Fensterplatz in der First Class. Wie auch auf den übrigen fünf Plätzen erwartet einen hier eine großzügig gestaltete Suite – mit einem Sitz, der so viel Raum bietet, dass man beinahe zwei Personen darin unterbringen könnte.
Noch bevor das reguläre Boarding beginnt, geht eine Schulklasse an Bord. Kinder genießen hier gewissermaßen den allerhöchsten Priority-Status – und das ist auch gut so. Eine sympathische Szene, die den ansonsten sehr exklusiven Rahmen angenehm auflockert.
Die Crew begrüßt jeden einzelnen Gast persönlich direkt an seinem Platz. Der Empfang ist freundlich, aufmerksam und gleichzeitig angenehm zurückhaltend – genau so, wie man es von Japan Airlines erwartet.
Ein kleiner Wermutstropfen bleibt allerdings: Ein exklusives Boarding-Gate beziehungsweise ein eigener Zugang für die Premium-Gäste an der ersten Flugzeugtür wäre an diesem Tag die konsequente Ergänzung des ansonsten sehr hochwertigen First-Class-Erlebnisses gewesen.



Mit einer Sitzbreite von beeindruckenden 123 Zentimetern, einer Bettlänge von 203 Zentimetern und einem Bildschirm mit mehr als einem Meter Diagonale bewegt sich die First Class von Japan Airlines genau in jenem Bereich, in dem die großen Airlines aktuell neue Maßstäbe setzen. Großzügige Dimensionen sind längst Teil des Wettbewerbs um das beste First-Class-Produkt – und hier wird schnell deutlich, dass Japan Airlines in dieser Liga mitspielen möchte.
Ich sitze auf Platz 2K, einem Fensterplatz mit einer besonders angenehmen Besonderheit: Auf der gegenüberliegenden Seite des Gangs befindet sich ebenfalls eine Suite, deren Tür allerdings auf der jeweils anderen Seite liegt. Dadurch entsteht eine bemerkenswert ruhige und abgeschirmte Sitzsituation. Gerade auf einem Langstreckenflug ist diese zusätzliche Privatsphäre ein kleines, aber durchaus relevantes Detail.
So bleibt zunächst Zeit, sich in Ruhe der ausgelegten Speise- und Getränkekarte zu widmen. Ebenfalls bereits am Platz liegt das Amenity Kit – und das fällt optisch deutlich aus dem üblichen Airline-Einerlei heraus.
Japan Airlines setzt hier auf ein Design des japanischen Künstlers Yukihito Okabe, der für seine Arbeiten mit Buntstiften und Spänen bekannt ist und in Japan einen ausgezeichneten Ruf genießt. Das Ergebnis ist ein modernes, modisches Accessoire, das eher an ein hochwertiges Designerstück als an einen klassischen Airline-Kulturbeutel erinnert.
Auch der Inhalt entspricht dem, was man in einer internationalen First Class erwartet: Mundspülung, Zahnbürste, Feuchtigkeits- und Gesichtsmaske, Ohrstöpsel, USB-Kabel, Kamm sowie ein Lippenbalsam der Pariser Marke Payot. Nichts davon ist außergewöhnlich – aber die Kombination aus Inhalt und vor allem der Gestaltung des Kits passt sehr gut zum insgesamt modernen Anspruch dieser First Class.


















Das Entertainment Programm….
bietet viel aktuelles, von angesagten Hollywood Streifen wie „The Amateur“ oder auch dem „A Working Man“ mit Jason Statham bis zu den spektakulären Außenbord Kameras, mit Blick auf den Boden und über das Heck der Maschine. Ich persönlich bin ein großer Fan der Airshow, also dem Flugweg, der auf diesem Trip zwischen Kamtschatka und Alaska über Grönland nach London führt.



Die Weinkarte:
Japan Airlines arbeitet mit einigen „Drink Advisors“ zusammen. Die Champagnerauswahl ist schonmal auf Weltklasse Niveau-viel mehr geht nicht! Wer die Marke Salon kennt weiß um deren Exklusivität und Produktphilosophie auf allerhöchsten Niveau. Es wird nur in Jahren die für gut genug erachtet werden produziert, somit nicht in jedem Jahr. In 100 Jahren seit Gründung des Hauses sind dies keine 50, hinzu kommt das maximal um die 30000 Flaschen gefüllt werden. Der 2013er Jahrgangs-Saft, ein Blanc de Blanc (100% Chardonnay Trauben), wird im Einzelhandel mit bis zu 1500 Euro brutto pro Flasche gehandelt, ob er dies wirklich wert ist muss jeder für sich entscheiden. Mein Perlwein-Favorit kommt aus dem Haus Bollinger, ebenfalls ein Jahrgangs-Champagner und von 2015, die La Grande Année. Dieser ist von der Struktur doch präsenter als der Salon, Röstaromen aus dem Holzfassausbau, Honig und exotische Früchte im Abgang, machen diesen Tropfen in 10.000 Metern zu einem großartigen Begleiter diverser Speisen.






Die Speisekarte:
Apropos Speisen, der Auftakt beginnt mit einer kleinen Auswahl an Mundhappen. Der Meerrettich-Krebs-Dumpling weiss im Dashi-Soja-Sud eine Duftmarke zu setzten. Die Abalone Muschel mit Gurke und geriebenen Ingwer ist ebenfalls ein geschmacklich als auch von ihrer Konsistenz ein echtes highlight. Neben der Garnele in einer Eigelb-Sauce, dem grillten Tintenfisch mit fermentierten Lotuswurzeln schmecken die grünen Bohnen mit einer leichten Truffel-Sauce herausragend gut. Alles ist sehr gut balanchiert, nichts überpowert, wirklich sehr gut geschmacklich ausgesteuert!
Die Suppe, eine Lotuswurzel-Seeigel, ist so elegant wie die kleinen schwarzen Meerestiere riechen, wenn diese direkt aus dem Salzwasser kommen.
Der nächste Gang wird mir in Erinnerung bleiben, wenn es um hochwertiges Airline-Catering geht. Wagyu Beef, weißer Lauch und Caviar sind ein positiver „Schlag auf die 12“, wenn man es einmal so ausdrücken darf. Das Consomme Geleé on top bietet auf der Zunge dermaßen viel an Umami, schwierig in diesem Segment, 10.000 Metern über dem Meer noch mehr an Geschmack abzubilden.
Soviel zum lokalen Menü. Ein Ausflug in die International Cuisine an Bord von JAL und es folgt ein weiteres Mal Rind, ein Wagyu Filet mit gegrillten Mais. Eine Auswahl an Brotsorten, von Feige-Walnuss, Soyabean Focaccia und Brötchen sind zum gereichten Käse definitiv passend und wertig.
Zum Essen passt neben dem prickelnden Traubenwein, ein sehr guter Premier Cru aus Saint-Aubin von Au Pied Du Mont Chauve, Jahrgang 2020. Auch Deutschland ist mit dem Prestige-Winzer Dr.Loosen von der Mosel vertreten. Das große Gewächs 2022 ist ein „Ürziger Würzgarten“ und somit ein Riesling. Das Rind verträgt am besten einen Rotwein, zum Beispiel ist der 2017er Chateau Lagrange Wein definitiv First Class würdig. Jederzeit kann man nach den Weinen aus der Business Class fragen, auch hier werden bis zu 8 weitere gereicht. Ein japanischer Sake von Zaku, sowie der weltbekannte in Japan hergestellte Whiskey von Hibiki runden dieses „incredible“ gute Lunch ab!
Nach ein paar Stunden der Degustation, aus dem Fenster auf Grönland schauend, Jazz Hollywood Filmen und ein wenig Schlaf in diesem überdimensionalen Sitz, fliegt die Zeit an einem vorbei. Mit knapp 14 Stunden ist der Flug lang, aber in einer so komfortablen Situation sicherlich maximal kurzweilig.

















Fazit:
Sicher und pünktlich erfolgt die Landung in London Heathrow. Was für ein Flug! Japanisches Understatement, Produktqualitäten, eine First Class Suite die sich so nennen darf, ein gut gepolsteter breiter Sitz, eine stets saubere Flugzeug Toilette, freundliche Crew, Aussichten die begeistern und nicht zuletzt das F&B Programm, zusammengefasst: WELTKLASSE!























Euer Christian
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